Saturday, May 20, 2006

Der Kamerad

Haymar fluchte innerlich, so laut er konnte. Seinem Ärger auch in der entsprechenden Lautstärke Ausdruck zu verleihen, wäre ein tödlicher Fehler gewesen. Zähneknirschend und schwerfällig streckte er sich, so vorsichtig er nur konnte, um einen kurzen Blick über den Rand seiner improvisierten Stellung blicken zu können, die eigentlich nur aus einem Graben bestand, den er hastig und ohne viel Planung mit dem letzten Rest Stacheldraht und einigen Haufen Erde befestigt hatte, wenn man es denn so nennen wollte. Die Zeiten, in denen das Reich noch sonderlich Wert auf die ach so deutschen Tugenden legen konnte, waren lange vorbei. Er - und auch der gesamte Generalsstab - wußten es längst besser, auch, wenn kaum einer sich traute, es laut zu sagen. Der Krieg war verloren, ihre Chancen, aus der Sache noch lebend herauszukommen, waren verschwindend gering. Sein kurzer Blick über den Rand des Grabens bestätigte dies nur noch. Keine 200 Meter von ihm entfernt hatte eine ganze Batallion des Russen Stellung bezogen und, wie um ihn und alle deutschen Soldaten zu verhöhnen, saßen sie beinahe schon gemütlich in ihren Stellungen, rauchten, lauschten den Klängen eines in der Entfernung kaum noch hörbaren Akkordions und unterhielten sich. "Der Russe weiß, daß er gewonnen hat.", sagte Haymar und erst, als ihn seine Kameraden mit einer Mischung aus Wut und Verwirrung anstarrten, wurde ihm klar, daß er das nicht nur gedacht hatte, sondern laut ausgesprochen. Er machte eine wegwerfende Handbewegung, wie um zu sagen: "Ihr wißt so gut wie ich, daß es stimmt, also was solls?" und kroch einige Meter zum anderen Ende des Grabens. 12 Stunden war es jetzt her, seit die letzte Granate eingeschlagen hatte und dieses eine letzte Geschoß hatte 8 seiner Kameraden das Leben gekostet, einige weitere waren schwer verletzt worden. Wenn es nach ihm ginge, hätte er längst Rückzugsbefehl gegeben, aber es ging nicht nach ihm. Des Führers Wort war Gesetz und spätestens, als Göbbels seinen Volkssturm zur "Verstärkung" geschickt hatte, war ihnen allen klar gewesen, was Clausewitz wirklich hieß. Sie würden ausharren müssen, bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone. Haymar versuchte, sich und sein Sturmgewehr von hier aus in eine gute Schußposition zu bringen, doch sobald sein Helm auch nur einen Zentimeter über den Rand des Grabens hinauslugte, krachte ein Schuß wie Donnerhall und nicht zum ersten Mal in dieser Nacht hatte er den Eindruck, die Kugel knap über seinem Kopf vorbeifliegen spüren zu können. Rasch sah er zu, daß er wieder in Deckung kam und fluchte diesmal lauthals. Ihm war es ohnehin unverständlich, weshalb er es immer und immer wieder versuchte. Der Krieg war im Grunde verloren, wäre es nun nicht das Klügste gewesen, zu kapitulieren? Völlig gleich, was irgendwelche Irren in Berlin sagten, müßte man jetzt als Soldat nicht einfach beginnen, vernünftig zu denken und eigene Entscheidungen zu treffen? Aber es war müßig, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, Haymar, als Major und kommandierender Offizier dieser Verteidigungsstellung, hatte selbst mehr als zwei Dutzend Männer, guter und tüchtiger Männer, erschossen, nachdem er sie nach Kriegsrecht als Deserteure und Paktierer mit dem Feind zum Tode verurteilt hatte. "Ich halt' das nicht mehr aus, verdammt!", ertönte von weiter hinten eine schrille, hysterische Stimme. Haymar kannte sie, wußte genau, zu wem sie gehörte. Es war die Stimme eines 14 jährigen Hitlerjungen, einer von vielen, die man ihm geschickt hatte und die, wenn überhaupt, nur als Kanonenfutter taugten. Haymar wußte, was jetzt kam, er hatte es immer und immer wieder erlebt und langsam fragte er sich, ob er jemals wieder fähig sein würde, eine Gefühlsregung zu spüren. Völlig gleichgültig drehte er sich um und sah gerade noch, wie der Junge sich rasch erhob, über den Rand des Grabens flitzte und sein Sturmgewehr hochriß. Er konnte sogar noch einige Schüsse abgeben, zweifelsohne waren jene weit davon entfernt, auch nur irgendetwas Anderes als die Luft oder den Boden zu treffen, bevor ein einzelner, wohlbedachter Schuß erneut wie Donnerhall erklang. Haymar hätte nicht hinzusehen brauchen, um zu wissen, was geschehen war. Eine kreisrunde, blutverschmierte Öffnung prangte nun im Helm des jungen Soldaten, die Augen ungläubig und weit aufgerissen in Richtung der Russen starrend. Noch bevor sein junger, viel zu junger Körper den Boden berührte, war er tot. Gestorben im Dienste für den Führer, auf den er vermutlich noch vor wenigen Stunden erst seinen Eid geleistet hatte. Haymar versuchte, Ekel, Abscheu, ja, sogar Haß, zu empfinden, doch es tat sich nichts. Keine einzige Gefühlsregung nahm er wahr. Lediglich in Gedanken hakte er einen weiteren gefallenen Soldaten ab und nicht einmal jetzt empfand er etwas. "Tagesgeschäft.", murmelte er. In der Ferne vernahm er das sonore Brummen eines Flugzeugmotors. Vermutlich die nächsten Bomber. Es kümmerte ihn nicht. Sollten sie doch das ganze verdammte Reich in Schutt und Asche bombardieren, es kümmerte ihn kein bißchen. Er wollte nur noch hier raus, koste es, was es wolle.

Er kroch wieder hinüber zum improvisierten Gefechtsstand, der ihm als Kommandozentrale dienen sollte. Er war allein, seinen Adjutanten hatte es schon vor Tagen erwischt und der klägliche Rest an Soldaten, der ihm geblieben war, war über den gesamten Graben verteilt und versuchte, die Stellung zu halten, so gut es eben ging. Er schlug das kleine schwarze Notizbuch auf, in dem er sich alle Verluste notierte. Er hatte schon lange nicht mehr die Hoffnung, diese Daten ans Hauptquartier weitergeben zu können, aber als deutscher Soldat kannte er seine Pflicht und wenn es das Letzte war, was er täte, er würde sie wahrnehmen. Und wenn es nur die "Buchführung", wie er es in Gedanken nannte, war. "Der Führer hat Clausewitz ausgegeben, ihm ist alles egal und vermutlich wird er sich bald ne Kugel durch sein winziges Gehirn jagen. Oder er nimmt Gift, dem Feigling traue ich den Ehrentod ohnehin nicht zu.", sagte eine Stimme und Haymar drehte sich um. Niemand außer ihm war hier, nicht eine einzige Menschenseele und das wußte er genau. Ebenso genau, wie er wußte, daß er seit Tagen schon diese Stimme hörte. "Wer spricht da?", flüsterte er in die Leere seines Gefechtsstandes hinein. "Das ist nicht wichtig, Haymar, schon lange nicht mehr.", sagte die Stimme und Haymar hätte schwören können, einen Hauch von Belustigung darin mitschwingen zu hören. Er hob sein Gewehr und versuchte, ein Ziel auszumachen. War das eben ein Schatten? Hinter dem Funkgerät? Spielten ihm jetzt nicht nur seine Ohren einen Strich, sondern auch schon die Augen? "Gib auf, Haymar. Du weißt genau, daß es hier nur noch einen Ausweg gibt. Wenn du mich fragst, war die ganze Sache schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Wie konnte dieser Idiot nur glauben, er könnte damit durchkommen?", fuhr die Stimme fort und nun klang es so, als käme sie von überall gleichzeitig. "Nicht, daß mir diese Juden irgendetwas bedeutet hätten oder gar die Kommunisten oder Schwachsinnigen. Nein, das wäre mir egal. Aber wie konnte dieser Idiot nur glauben, daß das nicht alle anderen auf den Plan holen würde?" Haymar schüttelte den Kopf, das konnte nicht sein, er mußte halluzinieren. Eine andere Erklärung gab es nicht. Ging es so los? Würde er, vielleicht noch heute, den selben Tod sterben wie all jene Hitlerjungen, die ihm in den letzten Tagen weggestorben waren? Drehte er durch? "Nein, du bist völlig normal, Haymar, alter Freund. Und eben weil du das bist, weißt du ganz genau, was du jetzt zu tun hast, nicht wahr?", sagte die Stimme, als käme sie direkt aus seinem Kopf. Er merkte nicht einmal, wie seine Hand das Gewehr auf den Boden legte und dann langsam seine P1 aus dem Holster zog. Er entsicherte die Waffe und zog den Schlaghahn, aber er tat es nicht bewußt und seine Bewegungen waren langsam und träge, als ob er in Trance wäre.

"Tu es Haymar. Es ist der einzige Ausweg, das weißt du. Der Ivan wird dich killen, sofort und ohne Verhandlung. Bei den westlichen Trotteln wirst du warten müssen, bis sie alles verhandelt haben und jeder sein gerechtes Urteil bekommen hat, aber du weißt genau, sie werden dich nicht am Leben lassen. Töten werden sie dich so oder so.", sagte die Stimme kalt und trostlos. Haymar spürte, wie ihm einige Schweißtropfen die Stirn herunterliefen. "Ja, das stimmt wohl. Nach allem, was ich getan habe, werden sie wohl kaum Milde walten lassen. Aber was hätte ich tun sollen? Den Befehl verweigern und selbst in die Gaskammer kommen, wenn nicht gleich an die Wand?" Haymar lachte ein humorloses, dunkles Lachen. "Nein, die hätten mich doch sofort umgelegt. Ich mußte diese Befehle geben, ich mußte diese Leute töten. Und sowieso, es waren doch nur Juden, herrgottnochmal.", brüllte Haymar in die Leere vor sich. "Nur Juden. Richtig, Haymar. Nur Juden. Komm, mach dem Ganzen ein Ende, bevor sies tun. Du weißt, daß du es tun mußt. Du hast es verdient, weißt du. Wie ich auch. Nur, daß ich es nicht selbst getan habe.", sagte die Stimme und Haymar glaubte - falls er inzwischen überhaupt noch irgendetwas glauben konnte und wollte - darin die Stimme seines Adjutanten zu erkennen. Das konnte nicht sein, sein Adjutant wurde schon vor Tagen erschossen. "Komm, mach es schnell und schmerzlos. Ich empfehle die rechte Schläfe.", sagte die Stimme und mit einem Mal klang sie noch kälter, grausamer und gnadenloser als jemals zuvor.

Seine Hand bewegte sich wie von selbst und wenige Sekunden später spürte Haymar den kalten, erbarmungslosen Stahl des Pistolenlaufs an seiner rechten Schläfe. Seine Hand zitterte ein wenig, aber das war nun inzischen auch egal, vermutete Haymar. "Heil Hitler.", flüsterte er und lachte dann laut auf. Ja, das waren wirklich passende letzte Worte, fand er. Und die Stimme hatte, das wußte er jetzt mit absoluter Sicherheit, voll und ganz Recht. Er, wie auch der Führer, hatten es verdient. Er fragte sich, zum allerletzten Mal in seinem Leben, ob es Himmel un Hölle wirklich gab. Wenn ja, so würde er vermutlich nie in den Genuß eines weißen Gewandes mit weißen Flügeln und dem berühmten Heiligenschein kommen, dachte er und lachte erneut. Zwei Soldaten kamen angerannt, um nachzusehen, was vor sich ging. Sie starrten Haymar verwirrt an. "Das muß komisch aussehen.", sagte er und grinste sie wirr an. Er korrigierte den Winkel ein wenig, indem er die Hand etwas anhob. Die Kugel würde, wenn er es richtig anstellte, sauber seinen Schädel durchschlagen und ihn töten. Er gestattete sich noch einen letzten, leisen Lacher über die verdrehte, irre Komik dieser Situation, bevor er abdrückte und sich sein Gehirn auf dem matschigen Boden der Gefechtsstellung verteilte.

Tuesday, May 16, 2006

Das Spiel

Es war schon weit nach Mitternacht, als Frank die kleine Kneipe betrat. Die Luft war abgestanden und roch nach billigem Fusel, Zigaretten und nach etwas, das Frank im Moment noch nicht genau beschreiben konnte. So oder so, es roch, wie es in einer nordamerikanischen Spelunke um diese Uhrzeit riechen sollte. Frank ging an den Tresen und nahm auf einem der Barhocker Platz. Die Barhocker sahen aus, als hätten sie schon wesentlich bessere Zeiten erlebt, die ganze Kneipe machte auf Frank genau diesen Eindruck. Der Barkeeper kam näher und fragte Frank mit rauchiger, harter Stimme, was er trinken wolle. Frank bestellte, in nicht weniger rauhem Tonfall, zwei Gin Tonic und legte die entsprechende Summe bereits auf die Theke. Zwei Minuten später standen die Gin Tonic vor ihm und er leerte eines der Gläser in einem Zug. Das andere nahm er mit zu einem der vier Billardtische und stellte es an den Rand.

Er machte sich daran, die Kugeln aufzubauen. Es dauerte nicht lange, bis ein Kerl um die Vierzig mit rauhen Gesichtszügen, der einen oder anderen Narbe im Gesicht und Muskelpaketen so groß wie Flugzeugträger, an den Tisch kam. Er fragte, ob Frank eine Runde spielen wolle, Einsatz 15 Dollar. Frank wollte spielen und so baute er fertig auf und deutete mit der Spitze seines Queues auf seinen Gegner. "Du fängst an." sagte er knapp und nahm einen Schluck Tonic. Der Kerl sah aus, als hätten diese grobschlächtigen, brutal aussehenden Hände nicht einmal ansatzweise genug Gefühl in sich, um annehmbar Billard spielen zu können, dennoch sah sich Frank schon sehr bald gezwungen, diese etwas vorschnell getroffene Beurteilung zu revidieren. Der Kerl spielte gar nicht schlecht, im Gegenteil, er war sogar ziemlich gut. Bevor Frank endlich einmal an der Reihe war, hatte der grobschlächtige Kerl sage und schreibe 4 Kugeln eingelocht und es würde verdammt schwer werden, ihn noch einzuholen. Frank stieß und erwartungsgemäß - heute konnte es doch gar nicht anders laufen - gingen gleich beim ersten Stoß drei seiner Kugeln ins Loch. "Nicht schlecht." brummelte sein Gegner, doch Frank wußte genau, was in dessen Kopf vorging. So, wie er es heute bei jedem seiner Mitmenschen gewußt hatte.

Es hatte bereits am frühen Morgen angefangen, als er punkt fünf Uhr morgens neben seiner Frau aufgewacht war. Das heißt, er hätte neben seiner Frau aufwachen müssen, doch sie war nicht da gewesen, wo er sie erwartet hatte, neben ihm und in tiefem Schlaf versunken. Stattdessen war neben ihm nur eine unberührte Betthälfte, die ganz und gar nicht so aussah, als hätte heute Nacht jemand darin geschlafen. Eine Stunde später, Frank hatte schon seine dritte Tasse Kaffee und den 14. oder 15. Zeitungsartikel hinter sich, kam Diane zur Hintertür in der Küche herein. Sie bemühte sich, die Tür so leise wie nur irgend möglich zu öffnen, aber natürlich war dies in diesem Moment so sinnvoll, wie einem Pudel das Wellenreiten beibringen zu wollen. Frank war schon wach und allein diese Erkenntnis schien Diane irgendwie völlig aus dem Konzept zu bringen. "Du...du bist ja schon wach, Schatz." sagte sie mit einem nervösen, reichlich unsicheren Unterton in der Stimme. "Ja, schon seit einer Stunde." erwiderte Frank und im Gegensatz zu Diane schien er ganz gelassen, beinahe schon desinteressiert zu sein. "Wo warst du heute Nacht? Ich bin ziemlich einsam aufgewacht vorhin." sagte er und nahm einen weiteren Schluck Kaffee. 'Sie wird mir von ihrer Freundin Betsy erzählen, die ganz dringend Hilfe bei irgendwas brauchte...', dachte er und als hätte er es geahnt, begann Diane davon zu erzählen, wie Betsys Mann sie geschlagen hätte und Betsy Diane angerufen hätte, um sie um Hilfe zu bitten. Frank verzog keine Miene aber tief in seinem Gehirn war es, als ob irgendein Schalter umgelegt worden wäre. Er nahm von diesem Augenblick an alles nur noch wie in einer Art Trance wahr, auch, als er langsam aufstand, um ebenso langsam auf Diane zuzugehen, kam es ihm vor, als betrachte er die Szene von ganz weit weg als Zuschauer. Diane schien noch nervöser und unsicherer zu werden. "Baby, ich weiß, wo du wirklich warst.", sagte Frank und griff zeitgleich zum bereits vor einer Stunde bereitgelegten Schlachtermesser. "Ich weiß alles, weißt du. Ich weiß es, weil du es weißt und seit einiger Zeit kann man vor mir nichts mehr verbergen.", sagte er und dann tippte er sich mit dem Zeigefinger gegen die Stirn. "Da oben wimmelt es nur so von Bildern, weißt du. Mir gefallen diese Bilder nicht, denn viele davon zeigen seit einiger Zeit nur noch dich. Dich und Steven. Und mir gefällt ganz und gar nicht, was du mit Steven machst. Mir gefällt auch nicht, daß du Geschichten über schlagende Ehemänner und dergleichen erzählst, nur weil du nicht genug Mumm in den Knochen hast, mir zu sagen, daß du in Wahrheit schon eine ganze Weile mit Steven ins Bett springst.", sagte Frank. Seine Stimme war vollkommen ruhig und entspannt und sein Gesichtsausdruck hätte der eines völlig normalen, gelösten Mannes sein können, der gerade seiner 11 jährigen Tochter erklärt, wo die Babies herkommen. Vielleicht war es gerade diese Gelassenheit, dieses völlige Fehlen von Zorn und Wut, das Diane solche Angst einjagte. Sie ging einen Schritt zurück, noch einen, doch dann prallte sie erschrocken gegen die Wand. Ihre Augen suchten verzweifelt nach etwas, womit sie sich wehren hätte können, doch natürlich fanden sie nichts. Dafür hatte Frank bereits vor dem Kaffeekochen Sorge getragen. Nichts würde ihn jetzt noch davon abhalten können, zu tun, was er sich schon keine 5 Minuten nach dem Aufwachen vorgenommen hatte. Niemand würde ihre Schreie hören, soviel stand fest. Es schreit sich so schlecht mit durchgeschnittener Kehle, er mußte nur schnell genug sein. Und er war schnell genug. Bevor Diane realisierte, was geschah, hatte er das Schlachtermesser in einer eleganten, geschickten Bewegung und mit viel Kraft von links nach rechts durch ihren Hals gezogen und mit einem Hieb Gurgel, Luftröhre und beide Halsschlagadern durchtrennt. Das Blut schoß in zwei riesigen Fontänen aus ihrem Hals und verwandelte die gemütliche Küche in ein Schlachtfeld, das in dunklem Blutrot gehalten war. "Die brauchst du dann jetzt wohl auch nicht mehr.", sagte Frank immer noch in diesem ruhigen, gelassenen Tonfall, als er ihre Bluse mit einem schnellen, kraftvollen Ruck, aufriß und ihr mit beinahe schon chirurgischer Präzision die Brüste vom Rumpf trennte. Er gestattete sich, nur kurz, keine Minute lang, den traurigen Gedanken daran, wie oft er diese perfekten Rundungen liebkost hatte und wie verrückt er auch bis heute Morgen noch nach Dianes Brüsten gewesen war, bevor er ihr schlußendlich das Messer bis zum Heft in die Brust rammte.

"Wirklich nicht schlecht, mein Freund. Das sind dann inzwischen 75 Dollar. Langsam frage ich mich wirklich, wie du das machst, weißt du?", sagte der grobschlächtige Kerl und Frank legte langsam, beinahe schon bedächtig, den Queue auf den Tisch. Der Kerl log, er fragte sich das schon seit dem zweiten Spiel, in welchem Frank ihn genau einmal zum Zuge kommen hatte lassen. "Glück, schätze ich.", sagte Frank und hob, wie um seine Unschuld zu beteuern, die Schultern. "Nun, ich denke, diese Glückssträhne hat nun ein Ende, Kumpel.", sagte der grobschlächtige Kerl und von einer Sekunde auf die andere war er nicht nur gleich mehrere Schritte auf Frank zugekommen, sondern hatte auf einmal auch ein Klappmesser in der rechten Hand. Mit einem metallischen Klicken und von einer kurzen Spiegelung des Lichts begleitet, ließ er es aufklappen und wedelte damit vor Franks Nase herum. "Das würde ich sein lassen, ehrlich.", sagte Frank völlig gelassen, was der grobschlächtige Kerl mit einem kalten Grinsen quittierte. 'Den mach ich kalt, so kalt gehts gar nicht mehr!' Diese Worte hallten auf einmal in Franks Kopf wider und Frank hob den Kopf, schaute seinen Gegner traurig an und erwiderte: "Das ist ein Irrtum, Tom. Ein schwerer, böser, Irrtum." Noch bevor Tom sich fragen konnte, woher Frank wußte, wie er hieß und was er gedacht hatte, spürte er eine Veränderung an sich. Er blickte langsam an sich hinab und betrachtete ungläubig den Billardqueue, der in seiner Brust zu stecken schien. Minuten später lag Tom tot auf dem Boden der Spelunke und Frank spazierte durch den warmen Sommerregen und pfiff eine Melodie, die wohl nur er kannte....